Norton Secured
dontforget
Markt und Trends

Millennials: Digital, sozial und gut ausgebildet – und trotzdem zu wenig Geld auf dem Konto

27 Juli 2018

Sie heißen Millennials und gehören der Generation Y an: die zwischen den späten 1970er-Jahren und der Jahrtausendwende Geborenen. Sie gelten als erste Generation, die als Digital Natives aufgewachsen ist. Und sie sind im Schnitt deutlich besser ausgebildet als ihre Eltern, die Babyboomer. Sie haben weder Krieg noch Not erlebt, kennen die großen Konflikte der Vergangenheit nur aus dem Geschichtsunterricht. Dennoch scheinen die Aussichten der Millennials alles andere als rosig. Leiharbeit, befristete Verträge, Praktika: Die Arbeitswelt ist für die Generation Y ein steiniges Feld. Aber müssen die Millennials deshalb gleich für ihre ganze Zukunft schwarzsehen?

Die Startchancen waren schon mal besser

Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Forschungsinstitut des Finanzdienstleisters Credit Suisse eine Studie mit dem wenig charmanten Titel „Die unglücklichen Millennials“. Die Finanzprofis kommen zu dem Schluss, dass es die Generation Y schwer habe mit dem Geld verdienen. Denn die jungen Menschen könnten heute keine besseren Jobs bekommen als ihre Eltern – und sie bekämen auch weniger aufs Konto. Die Startchancen ins Berufsleben sind für die Millennials stark beeinträchtigt: Als viele von ihnen die Uni verließen und die ersten Jobs suchten, schlug die weltweite Finanzkrise zu. Die sorgte unter anderem dafür, dass die Berufsanfänger kaum noch an günstige Kredite kamen – und dass ihre Einstiegsgehälter wesentlich schmaler ausfielen als zuvor. 

Wenn die Millennials überhaupt in einen festen Job gelangen. Wie nie zuvor ist der Arbeitsmarkt nämlich von befristeten Verträgen geprägt.  Auch wenn manche Behauptungen von 25- oder gar 40-Prozent-Quoten befristeter Beschäftigungsverhältnisse Unsinn sind: Tatsächlich waren 12,4 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland im Jahr 2014 befristet beschäftigt. Dies zeigt eine Analyse des Mikrozensus, die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit vorgenommen wurde – neuere Zahlen liegen noch nicht vor, aber am Trend dürfte sich wenig geändert haben.

Von Praktika und Probezeiten

Alles halb so wild also? Nein, für jede und jeden einzelnen ist ein Zeitvertrag alles andere als ein solides Fundament für Karriere und persönliche Planung, für Familie oder Kinder. Zumal die befristeten Verträge ja nicht die einzige Zumutung sind. Unbezahlte Praktika, Teilzeitjobs, ewig lange Probezeiten oder extrem niedrige Einstiegsgehälter: Von der Generation Y wird ein Maximum an Flexibilität erwartet, während ihr der Arbeitsmarkt nur ein Minimum an Sicherheit zubilligen mag.

Da haben die Eltern der Millennials leicht reden: „Wir haben dir eine gute Ausbildung ermöglicht – jetzt mach was draus!“ In den 1950er-, 60er- oder 70er-Jahren mag das ja gestimmt haben. Trotz Ölschock, Wirtschaftskrise und 6-prozentiger Jugendarbeitslosigkeit konnten sich die Babyboomer auf eine einfache Formel verlassen: Wer gut ausgebildet ist und im Job Ehrgeiz zeigt, muss sich um seine Karriere wenig Sorgen machen. Ein ordentlicher Job mit guten Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten steht schon Berufsanfängern offen – und das auf Dauer und nicht befristet.


Durchhangeln mit Teilzeit und Minijobs

Davon können viele Millennials nur träumen. Sicher, es gibt auch begehrte Akademiker, die von der Uni weg die Wahl unter diversen aussichtsreichen Verträgen haben. Aber das ist nicht die Regel. Eher das mühselige Durchforsten sämtlicher Jobbörsen. Mit der Folge, dass man mit befristetem Teilzeitvertrag, zwei Minijobs und ein wenig Aushilfe hier und da gerade so über die Runden kommt. Denn das Darlehn aus dem BAföG will ja auch noch zurückgezahlt werden. 

Selbst die Tatsache, dass die Generation Y praktisch mit dem Computer im Kinderzimmer aufgewachsen ist, bringt ihr nicht nur Vorteile. Durch die Internet- und Online-Wirtschaft befinden sich die Millennials im Konkurrenzkampf mit der ganzen Welt. Schließlich können viele Jobs überall und online erledigt werden.


Das große Problem der Planung

Heirat, Kinder, Familiengründung? Nicht dran zu denken – dafür ist kein Geld da. Und erst recht keine Sicherheit für die Planung der nächsten Jahre. Von Dingen wie Hausbau oder Altersvorsorge können die meisten Millennials sowieso nur träumen. 

Dabei sind die Voraussetzungen dieser Generation nicht nur dank ihrer überdurchschnittlich guten Ausbildung hervorragend. Die Millennials stellen hohe Ansprüche – an sich selbst und ihre Jobs. So soll die Arbeit vor allem sinnvoll sein und Abwechslung bieten. Die Generation Y legt ebenso viel Wert auf Selbstverwirklichung wie auf Teamarbeit. Und sie strebt nach einer Balance aus Beruf und Privatleben, die ihr wichtiger ist als Status und Prestige. 

Eigentlich beste Voraussetzungen für ein erfüllendes, selbstbestimmtes Leben ohne Stress und Burnout. Eigentlich – wenn man den Millennials denn mal eine faire Chance gibt. Die gleiche Chance wie für ihre Eltern würde schon reichen. Denn die Wirtschaft braucht ja gerade jetzt gut ausgebildete jüngere Arbeitskräfte: Stichwort „Fachkräftemangel“. Der aktuelle Boom überdeckt manche Schwierigkeiten und Versäumnisse. Aber die Millennials werden gebraucht. Heute und erst recht in der Zukunft.

Klant in 5 klikken Moneyou